Fast jeder Pferdehalter weiß, dass er das Gebiss seines Pferdes mindestens ein Mal pro Jahr kontrollieren lassen sollte. Die Früherkennung von anomalem Abrieb oder von Schädigungen der Pferdezähne kann dazu beitragen, kostenintensive Zahnbehandlungen und Operationen zu vermeiden. Aber muss diese Untersuchung unbedingt von einem Pferdezahnarzt gemacht werden? Oder reicht dafür auch das Know-How eines Pferdedentisten – also eines Praktikers, der nicht an der Uni studiert hat, und seine Leistungen nicht nach der GOT abrechnet? Hier gibt es Input für deine Entscheidung.
Pferde sind Dauerfresser. Hätten sie ein Gebiss wie wir Menschen, wären ihre Zähne schnell bis aufs Zahnfleisch abgerieben. Aber die Evolution hat es mit sich gebracht, dass Pferdezähne soweit nachwachsen, wie sie abgenutzt werden. Unter natürlichen Lebensbedingungen funktioniert das hervorragend. Hauspferde haben jedoch häufig Zahnprobleme, die unter anderem mit der Fütterung von Kraftfutter zusammenhängen. Deshalb solltest du das Gebiss deines Pferdes in bestimmten Intervallen von einem Zahnspezialisten untersuchen lassen.
Wie oft Routineuntersuchung der Zähne beim Pferd?
Die Häufigkeit der Kontrolluntersuchungen durch einen Zahnspezialisten für Pferde variiert mit dem Alter der Tiere. Fohlen bis zum Alter von zwei Jahren sollten ein Mal jährlich gecheckt werden. Danach sollte das Gebiss des Jungpferdes bis zum Alter von sechs Jahren etwa alle sechs Monate untersucht werden. Anschließend reicht bis zum Alter von fünfzehn Jahren eine jährliche Routineüberprüfung aus. Wegen altersbedingter Gebissveränderungen sollten Pferde ab fünfzehn Jahren zwei Mal jährlich untersucht werden.
Hier die Eckdaten zu Routineuntersuchungen von Pferdezähnen im Überblick:
Wenn Pferde nur noch zögerlich fressen oder beim Kauen einen Teil des Futters aus dem Maul fallen lassen, musst du damit rechnen, dass sie unter einer schmerzhaften Zahnerkrankung leiden. Hat ein Pferd über längere Zeit hinweg Zahnschmerzen, kann das zu Abmagerung und unter Umständen auch zu Verdauungsproblemen führen. Unverdaute Körner in den Pferdeäpfeln sind ein sicheres Anzeichen dafür, dass irgendetwas mit den Zähnen eines Pferdes nicht in Ordnung ist.
Eine dicke Backe beim Heu fressen kann ebenso ein Anzeichen dafür sein, dass das Pferdegebiss untersucht werden sollte. Sie weist zumeist darauf hin, dass das betroffene Pferd sogenannte "Zahnhaken" entwickelt hat. Pferde mit Zahnhaken stecken sich öfters Heuwickel in die Backe, damit die scharfen Haken an den Zähnen die Maulschleimhaut nicht verletzen. Zeigt das Pferd aber eine Schwellung am Kiefer – ohne ein Heupolster in der Backe zu haben – kann das ein Anzeichen für eine Zahnwurzelentzündung, einen Abszess oder eine Zahnfraktur sein.
Karies oder Parodontose können die Ursache für einen unangenehm stechenden Geruch aus dem Pferdemaul sein. Vermehrter Speichelfluss / Sabbern lässt ebenfalls den Verdacht auf eine Zahnerkrankung aufkommen. Und wenn ein Pferd einseitig dicken, gelblichen Nasenausfluss hat, können sich die Nebenhöhlen wegen eines kranken Zahns entzündet haben. Abwehrverhalten beim Trensen oder bei Berührungen des Pferdekopfes können ebenso mit einer Zahnproblematik zu tun haben. Außerdem sind Pferde, die mit Trense oder Kandare geritten werden, bei Zahnproblemen oft weniger rittig als zuvor.
Natürlich kannst du als medizinischer Laie aufgrund der oben genannten Symptome nicht selbst herausfinden, welches Zahnproblem diese verursacht. Zu einer sicheren Diagnose brauchst du einen Fachtierarzt für Pferde mit Spezialisierung auf Pferdezahnheilkunde, umgangssprachlich meistens „Pferdezahnarzt“ genannt. Der hat das nötige medizinische Fachwissen und kann sämtliche Eingriffe rund um das Pferdegebiss tierschutzgerecht vornehmen. Klick einfach auf den Button, um einen Pferdezahnarzt in deiner Nähe zu finden.
Frei praktizierende Tierärzte, die sich auf Pferdezahnheilkunde spezialisiert haben, sind eher selten. Viele von ihnen arbeiten in Pferdekliniken. Es kann also sein, dass unsere Suchmaschine dir in deiner Gegend keine Treffer für Pferdezahnärzte anzeigt. Wenn das der Fall sein sollte, such doch einfach nach Pferdekliniken mit Abteilungen für Zahnheilkunde. Pferdekliniken in deiner Nähe findest du hier:
Wenn es nur um Routineuntersuchungen oder um das Korrigieren der Kauflächen geht, kannst du dich auch an einen Pferdedentisten oder einen Pferdedentalpraktiker wenden. Deren Tarife liegen zumeist unterhalb der aktuellen Gebührenordnung für Tierärzte (GOT). Allerdings kann eine Zahnbehandlung ohne Sedierung bei Pferden zu einer traumatischen Erfahrung werden, weil ihnen aus Sicherheitsgründen ein sogenanntes „Maulgatter“ angelegt werden muss.
Pferdedentisten dürfen keine Sedierung verabreichen. Bei tendenziell stoischen Pferden ist Zahnraspeln ohne Sedierung vertretbar. Sensibelchen sollte man diese Prozedur allerdings nicht bei vollem Bewusstsein zumuten. Eine Alternative zum Zahnraspeln ohne Sedierung wäre theoretisch, dass ein Pferdetierarzt die Sedierung vornimmt und der Pferdedentalpraktiker anschließend das Zahnraspeln übernimmt. Dadurch entstehen allerdings doppelte Fahrtkosten – weshalb sich diese Variante nur lohnt, wenn sich mehrere Pferdehalter zusammentun. Pferdedentisten in deiner Nähe findest du hier:
Hier haben wir die wichtigsten Fakten zu Berufen zusammengestellt, die sich mit der Zahngesundheit beim Pferd befassen. Diese kurzen Berufs-Steckbriefe können dir dabei helfen, dich für den passenden Zahnspezialisten zu entscheiden. Mit etwas Hintergrundwissen kannst du bessere Entscheidungen treffen.
Was bedeutet der Ausdruck „Pferdezahnarzt“ genau?
Das Wort Pferdezahnarzt wird in der Umgangssprache verwendet, obwohl diese Bezeichnung eigentlich gesetzeswidrig ist. Der Begriff „Zahnarzt“ ist eine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung aus der Humanmedizin. Er steht für Humanmediziner mit einer Spezialisierung auf Zahnmedizin.
Veterinärmediziner dürfen sich nach deutschem Recht nicht als Zahnärzte bezeichnen, auch wenn sie sich dementsprechend weitergebildet haben. Die umgangssprachlich als „Pferdezahnarzt“ bezeichneten Zahnspezialisten für Pferde können mit einem umfassenden Studium der Veterinärmedizin, einer Spezialisierung auf Pferde (Fachtierarzt für Pferde) und zahlreichen Weiterbildungen in puncto Zahnmedizin punkten.
Pferdezahnarzt Ausbildung
Wer Tierarzt für Pferdezahnheilkunde werden möchte, sollte mit einem guten Notendurchschnitt im Abitur punkten. Das Studium der Veterinärmedizin ist sehr beliebt und die Studienplätze sind entsprechend rar.
Das Grundstudium der Tiermedizin dauert an deutschen Universitäten vier Semester. Nach erfolgreich abgeschlossenem Grundstudium (auch "Vorklinik" genannt) folgt das Hauptstudium ( auch "Klinik" genannt). Es dauert in Deutschland sieben Semester und bietet den Studenten in seinem Verlauf die Möglichkeit, sich auf bestimmte Tierarten – wie beispielsweise Pferde, Kleintiere oder Großtiere – zu spezialisieren.
Das Hauptstudium wird mit dem Staatsexamen abgeschlossen. Nach bestandenem Examen erhält der frischgebackene Veterinärmediziner seine Approbation und darf von diesem Moment an als Tierarzt praktizieren. Für Tierärzte werden im Rahmen von Weiterbildungen Seminare und Kurse zum Thema Zahnmedizin angeboten. So kann sich ein Fachtierarzt für Pferde zusätzlich auf den Bereich der Pferdezahnheilkunde spezialisieren.
Ganz wie Pferdezahnarzt oder Reitlehrer stammt der Ausdruck „Pferdedentist“ aus der Umgangssprache und steht sinngemäß für eine Art Pferde-Zahnpfleger. Pferdedentist ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Theoretisch kann sich also jeder als Pferdedentisten bezeichnen, ob er nun eine entsprechende Ausbildung absolviert hat oder nicht. Dem wollte die Internationale Gesellschaft zur Funktionsverbesserung der Pferdezähne e.V. einen Riegel vorschieben, und versuchte, die Berufsbezeichnung „Pferdedentalpraktiker“ staatlich anerkennen zu lassen. Nachdem dies nicht funktionierte, ließ der Verein anschließend den Begriff „PferdeDentalPraktiker nach IGFP“ als Marke schützen. Pferdedentisten, die eine vereinsinterne Prüfung abgelegt haben, dürfen sich anschließend PferdeDentalPraktiker nach IGFP nennen.
Ausbildung zum Pferdedentisten / Pferdedentalpraktiker nach IGFP
Verschiedene Organisationen und Institute bieten Lehrgänge zum Thema Zahngesundheit beim Pferd an, die zumeist mit einer internen Prüfung enden. Teilnehmer erhalten nach bestandener Prüfung einen Nachweis über die erfolgreiche Teilnahme an der jeweiligen Bildungsveranstaltung. Anders als teilweise beworben, ist diese Bescheinigung aber kein Diplom, sondern lediglich eine Teilnahmebestätigung und die Bestätigung einer erfolgreich abgelegten internen Prüfung.
Als Ausübende eines freien Berufs ohne gesetzliche Anerkennung unterliegen Pferdedentisten und Pferdedentalpraktiker zahlreichen gesetzlichen Einschränkungen. Sie dürfen zum Beispiel keine Medikamente zur Sedierung verabreichen, wodurch sie stark in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt sind. Viele Pferdedentisten kooperieren deshalb mit Pferdezahnärzten, die sämtliche Behandlungen am Pferd durchführen dürfen.
Invasive Eingriffe – also jede Behandlung, die in den Pferdekörper eindringt – sind ihnen ebenso untersagt. Sie dürfen beispielsweise weder Injektionen verabreichen, noch Zahnkappen entfernen oder Wolfszähne ziehen – auch wenn diese Eingriffe relativ unkompliziert sind. Teilweise bieten sie wegen dieser Einschränkungen Zahnraspeln ohne Sedierung an, was aber für manche Pferde ziemlich stressig sein kann.
Bei Dauerfressern wie Pferden spielt die Zahngesundheit eine entscheidende Rolle für den gesamten Organismus. Fehlerhafte Kieferstellungen, unnatürlicher Zahnabrieb und verschiedene Zahnerkrankungen wie Karies, Parodontose oder EORTH beeinträchtigen nicht nur die Futterverwertung, sondern die gesamte Lebensqualität eines Pferdes. Abgesehen von den Schmerzen, die Zahnhaken oder ein kranker Zahn verursachen können, haben Zahnprobleme zumeist direkte Auswirkungen auf die Verdauung beim Pferd.
Wenn das Futter nicht mehr ausreichend aufgeschlossen werden kann, fehlen dem Tier wichtige Nährstoffe, Vitamine und Spurenelemente. Das wirkt sich natürlich auf sein Immunsystem aus. Der Organismus von Pferden mit unbehandelten Zahnerkrankungen kann Viren, Pilzinfektionen oder Bakterien wesentlich schlechter bekämpfen als der Organismus eines gesunden Pferdes. Da Zahnprobleme bei Pferden nur selten im Frühstadium erkannt werden, ist es essentiell für die Pferdegesundheit, regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchzuführen.
Quellenangaben
https://www.pferdezahn-tieraerztin.de/
Maßnahmen zum Erhalt der Pferdegesundheit auf einem Blick
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