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Pferdefutter Ratgeber | Überblick & Anwendungsbereiche

zuletzt aktualisiert 21.02.2023
Pferdewirt hält Pferdefutter Heucobs in der Hand
Foto © lunamarina shutterstock.com
Inhaltsverzeichnis

Von Janina Beule - Im unübersichtlichen Feld von Pferdefutter fällt es häufig schwer einen Überblick zu bekommen, Pferdefuttermittel richtig einzuordnen und für sein Pferd die richtigen Produkte zu wählen. Deshalb möchten wir hier einen kleinen Überblick liefern, sowohl über die verschiedenen Futterarten, über die Lagerung von Pferdefutter und über spezielle Fütterungszwecke. 

Mehr über die den Einsatz und Grundlagen erfährst Du in unserem Artikel Grundlagen der Pferdefütterung.

Raufutter

Das Raufutter bildet als Grundfutter immer die Basis der Futterration. Zum Raufutter zählt man Grünfutter (von manchen auch als Saftfutter bezeichnet), sowie die entsprechenden Konservate (Heu, Heulage, Silage) und Stroh.

Vor allem das Heu zählt mit zum wichtigsten Pferdefutter. Pferdeheu sollte aufgrund der Inhaltsstoffe überwiegend in der frühen Gräserblüte geschnitten werden. Um eine ausreichende Lagerfähigkeit und Qualität zu gewährleisten, sollte das Heu nicht mehr als 15 % Restfeuchte aufweisen und den Pferden möglichst mindestens 20 % Rohfaser liefern.

Heucobs als Heuersatz sind Presslinge aus kürzer gehäckseltem Heu, die für alte Pferde mit Zahnproblemen eingeweicht werden können.

Im Vergleich zu Heu hat die Heulage eine kürzere Trocknungsphase auf der Wiese und dadurch einen höheren Restfeuchtegehalt um ca. 40 %. Das Erntegut wird gepresst, in Folie gewickelt und durch einen entstehenden Gärungsprozess konserviert. Qualitativ hochwertige Heulage kann eine Alternative sein, wenn Pferde unter Atemwegsproblemen leiden oder staubempfindlich sind.

Es gibt jedoch auch Pferde, die auch nach längerer Gewöhnungszeit Heulage nicht so gut vertragen und zum Beispiel mit Kotwasser reagieren. Da Heulage einen höheren Restfeuchtegehalt hat, müssen Pferde im Vergleich zu Heu mehr davon fressen. Aufgrund des Verderbs sollte ein geöffneter Heulageballen vor allem bei hohen Temperaturen innerhalb von 24h aufgebraucht sein.

Die Restfeuchte in einer Silage ist noch höher als der in einer Heulage. Wegen des sauren pH-Wertes der Silage und den möglichen Auswirkungen auf den Verdauungstrakt, wird Silage sehr selten eingesetzt und ist als Pferdefutter nur bedingt geeignet.

Stroh als Futterstroh dient vor allem der Beschäftigung und der Bereitstellung von Rohfaser bei einem gleichzeitig niedrigeren Energiegehalt als es im Heu der Fall ist. Wichtig ist, dass das Pferd nicht zu hohe Mengen Stroh aufnimmt, um Verstopfungskoliken zu vermeiden.

Pferdefütterung, zwei Pferde auf Weide fressen an einem Heuballen
Foto © otsphoto shutterstock.com

Kraftfutter

Die Gabe von Kraftfutter ist dann nötig, wenn das Pferd seinen Energiebedarf nicht vollständig über das Raufutter decken kann. Während der reine Erhaltungsbedarf über Raufutter gedeckt sein muss, kann der Leistungsbedarf, der sich aus der Arbeit des Pferdes ergibt, teilweise/ganz durch ein Kraftfutter gedeckt werden. Auch bei tragenden Stuten oder Pferden im Wachstum kann ein Kraftfutter helfen, den zusätzlichen Energiebedarf zu decken.

Welches das beste Kraftfutter für das eigene Pferd ist, sollte immer individuell beurteilt werden.

Ein ganz typisches Kraftfutter ist Getreide, das die Energie vor allem in Form von Stärke liefert. Am weitesten verbreitet ist die Fütterung von Hafer, Gerste und Mais.

Hafer lässt sich je nach Pigmentierung in Gelb-, Schwarz- oder Weißhafer einteilen. Die Nährstoffgehalte lassen sich nicht zwischen den Farben unterscheiden, ausschlaggebend ist immer die Qualität. Der Hafer kann ganz oder gequetscht/geschrotet gefüttert werden, um die Verdaulichkeit zu verbessern. Die Fütterung von Hafer führt zu einem Blutzuckeranstieg im zeitlichen Zusammenhang mit der Futteraufnahme, wodurch die Pferde kurzfristig etwas temperamentvoller erscheinen. Dieser Effekt tritt grundsätzlich auch bei den anderen Getreidesorten auf, ist jedoch beim Hafer am stärksten ausgeprägt, da dessen Stärke die höchste Dünndarmverdaulichkeit besitzt.

Durch die geringere Stärkeverdaulichkeit sollten Mais und Gerste vor dem Einsatz als Pferdefutter stets thermisch oder mechanisch behandelt werden. Aufgrund der insgesamt höheren Stärkegehalte dürfen diese beiden Einzelfuttermittel nicht in zu hohen Mengen eingesetzt werden, um den Verdauungstrakt nicht zu belasten.

Ein Nebenprodukt innerhalb der Getreideproduktion ist die sogenannte Kleie. Diese besteht hauptsächlich aus den äußeren Schichten des Getreidekorns. Vor allem die Weizenkleie wird recht häufig im Pferdefutter verwendet. Sie wirkt leicht abführend. Zu beachten ist jedoch das ungünstige Calcium: Phosphor-Verhältnis.

Neben der Weizenkleie wird auch die Reiskleie immer wieder für die Pferdefütterung eingesetzt.

Zusätzlich gibt es zahlreiche Mischfutter, die als Müsli oder Pellet als Kraftfutter dienen. Unter ihnen gibt es auch die getreidefreien Produkte, da eine Energiezufuhr durchaus auch ohne Getreide über Proteine, Rohfaser, und Fette stattfinden kann. Eine getreidefreie Fütterung kann bei Pferden mit einem empfindlichen Verdauungstrakt (z.B. Magengeschwüre, Kotwasser) Sinn machen, da die Belastung durch zu hohe Stärkemengen vermieden wird. Auch Pferde mit Stoffwechselerkrankungen (z.B. Cushing, EMS) oder PSSM können von einer getreidefreien Fütterung profitieren. 

Luzerne

Luzerne ist ein rohfaser- und eiweißreiches Einzelfuttermittel. Es ist entweder als Grundfutterergänzung oder als Kraftfutter einzusetzen. In unserem Artikel über Luzerne erfährst Du alle wichtigen Facts.

Ölsamen und Öle

Leinsamen sind die bekanntesten Ölsamen in der Pferdefütterung. Sie sind nicht nur fett- und eiweißreich, sondern bieten insbesondere diätetische Vorteile durch den hohen Schleimstoffgehalt. Dieser wirkt sich positiv auf die Magen- und Darmschleimhaut aus.

Pflanzenöle liefern durch die enthaltenen Fette konzentrierte Energie, sowie wertvolle Omega-3 und Omega-6-Fettsäuren. Am weitesten verbreitet ist der Einsatz von Leinöl als Pferdefuttermittel, da es eine gute Fettsäurezusammensetzung aufweist.

Pferdefuttermittel Mineralfutter
Foto © Martins Vanags shutterstock.com

Mineralfutter

Mineralfutter enthalten Mengen- und Spurenelemente, sowie häufig auch Vitamine, in bedarfsdeckenden Mengen. Vielfach sind auch Kraftfuttermischungen bereits teilweise oder vollständig mineralisiert. Dies gilt es bei der Dosierung des zusätzlichen Mineralfutters zu beachten.

Mineralfutter gibt es in diversen Ausführungen. Das perfekte Mineralfutter gibt es pauschal nicht. Hier muss jedes Pferd und jede Fütterung individuell betrachtet werden, um den Mineralstoffbedarf mit einem passenden Produkt zu decken.

Tipp

"Um das richtige Mineralfutter zu finden kann es sinnvoll sein ein Blutbild von deinem Pferd erstellen zu lassen, um einen möglichen Mangel zu erkennen und das Mineralfutter dementsprechend anzupassen."

Marie Schneider

Grundfutter in der Pferdefütterung

Der reine Erhaltungsbedarf des Pferdes, sollte durch Grundfutter (Gras, Heu, Heulage) gedeckt werden. Je nach Menge des Grundfutters und der Leistung des Pferdes kann auch der zusätzliche Leistungsbedarf ohne Probleme über Heu, Heulage und/oder Gras gedeckt werden. Bei den meisten „Freizeitpferden“ sind nur geringe Kraftfuttermengen nötig, häufig sogar gar keine.

"Als Erhaltungsbedarf bezeichnet man die täglich benötigte Energie, die das Pferd durch seine Wärmeproduktion, Athmung und Verdauung sowie normaler Aktivität verbraucht. Der Erhaltungsbedarf deckt die Energie für die Lebenserhaltung ab."

Pferdefutter mit gelber Schaufel
Foto © Trabland | Peter Schmitz

Spezielles Pferdefutter - zum Zunehmen

Am wichtigsten ist ausreichend Raufutter, gerne auch ein unbegrenzter Zugang. Das Kraftfutter sollte möglichst energiereich („kalorienreich“) sein. Wichtig dabei ist: Nicht einfach unkontrolliert hohe Mengen Getreide füttern, um möglichst hohe Energiegehalte zu erreichen, da die hohen Stärkemengen den Verdauungstrakt belasten können. Pflanzenöle bringen zusätzliche „Kalorien“ in Form von Fettsäuren in die Ration.

Spezielles Pferdefutter - zum Abnehmen

Es gibt im Endeffekt kein Futter, wodurch das Pferd abnimmt. Jedes Futter liefert Energie und damit zusätzliche Kalorien. Wenn man etwas füttern möchte oder zum Untermischen füttern muss, sollte man nur geringe Mengen von einem energiearmen Futter geben.

Wenn physiologisch noch möglich, kann man außerdem die Heumenge reduzieren. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn bisher Heu ad libitum gefüttert wurde.

"Mittels Heunetzen, Heukisten, zeitgesteuerten Heuraufen kann die Menge an Raufutter reduziert werden und dennoch eine relativ lange Fresszeit gewährleistet werden. Bei der Reduzierung von Raufutter ist immer darauf zu achten, dass das Pferd keine langen Fresspausen hat. Es hat sich bewährt, Pferden täglich mehrere kleine Portionen zu füttern."

Spezielles Pferdefutter - für den Muskelaufbau

Wichtig für den Muskelaufbau ist der Proteingehalt, bzw. der Gehalt an dünndarmverdaulichem Rohprotein. Die zugehörigen Aminosäuren sind Bausteine des Muskelstoffwechsels. Wichtig hierbei ist: Extrem hohe Eiweißmengen können Leber und Niere belasten. Deshalb spielt nicht nur die Eiweißmenge, sondern vor allem die Qualität des gefütterten Eiweißes eine Rolle.

Die Fütterung kann die nötigen Bausteine für einen Muskelaufbau stellen, trotzdem findet aktiver Muskelaufbau natürlich nur bei einem effektiven Training statt. 

Spezielles Pferdefutter - für Senioren

Wichtig ist hier, dass das Futter auch bei Zahnproblemen entsprechend verwertet werden kann. Ein Anfeuchten/Einweichen des Futters erleichtert das Abschlucken. Alte Pferde haben häufig einen leicht erhöhten Nährstoffbedarf, der über das Mineralfutter gedeckt werden muss.

Ausreichend Aminosäuren in der Ration unterstützen den Muskelerhalt. Meist unterschätzt man, dass eine Abnahme im Alter fast immer durch eine zu geringe Heuaufnahme bedingt ist und vor allem die ausreichende Versorgung mit Heuersatzprodukten, z.B. Heucobs, essenziell ist.

Spezielles Pferdefutter - für einzelne Pferderassen

Insgesamt gibt es keine Rasse, die speziell gefüttert werden muss. Vor allem die Unterteilung in leichtfuttrige und schwerfuttrige Rassen macht jedoch durchaus Sinn. Die typischen Robustrassen sind beispielsweise überwiegend leichtfuttrig und sollten weniger Energie über das Futter zugeführt bekommen.

Darüber hinaus kann es vorkommen, dass Rassen mit viel Fell (z.B. Islandpferde) einen etwas höheren Bedarf an Mikronährstoffen haben, die für Haut und Fell spezifisch sind (z.B. einen etwas höheren Zinkbedarf im Fellwechsel).

Bio Pferdefutter

In der heutigen Pferdefütterung taucht immer wieder Pferdefutter auf, dass unter ökologischen Gesichtspunkten geerntet und hergestellt wurde und auch für die Verfütterung auf biozertifizierten Betrieben geeignet ist.

Neben Anbau und Produktion wird auch der gesamte Handel im Rahmen der Auflagen durchgeführt und entsprechend kontrolliert. Pferdefutter in Bio Qualität bedient sich Rohstoffen, die beispielsweise ohne synthetischen Pflanzenschutz und ohne Gentechnik hergestellt wurden. 

Lagerung von Pferdefutter

Die Lagerung von Pferdefutter sollte immer möglichst kühl und dunkel erfolgen. Außerdem muss das Futter ausreichend sicher vor Schadnagern und sonstigem Ungeziefer sein. Das Futter sollte nicht zu lange im Futtersack gelagert werden, da diese den Inhalt nicht vor Feuchtigkeit schützen. Das Behältnis, in das das Futter umgefüllt wird, muss vollständig verschließbar sein.

Vor allem Mäuse können sich durch kleinste Schlitze hindurchdrücken und sich sogar, je nach Material, durch die Behältnisse hindurchfressen. Zusätzlich sollte man den Behälter vor jeder neuen Befüllung ausreichend reinigen.

Luzerne Pflanzen auf einem Feld
Luzerne
Ein Überblick über Einsatzbereiche, sowie Vor- und Nachteile der Luzerne als traditionelle eiweißreiche Futterpflanze.

FAZIT

Diese grobe Einordnung kann als erste Orientierung dienen, ist aber natürlich bei Weitem nicht vollständig. Die Auswahl des richtigen Pferdefutters ist sehr individuell, trotzdem kann man sich immer an gewisse Grundregeln halten. In folgenden Texten werde ich noch detaillierter auf einzelne Futtermittel, Rohstoffe und Einsatzzwecke eingehen, damit das Wissen dahingehend noch vertieft werden kann.

 

Quellen:

Coenen, M.; Vervuert I. (2020): Pferdefütterung. Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart

Frape, D. (2010): Equine Nutrition and Feeding. Fourth Edition, Wiley-Blackwell

Kamphues, J.; Coenen, M.; Eider, K.; Iben, C.; Kienzle E.; Liesegang, A.; Männer, K.; Wolf, P.; Zebeli,

Q.; Zentek, J. (2014): Supplemente zur Tierernährung: für Studium und Praxis. M. & H. Schaper GmbH, Hannover

v. Engelhardt, W., Breves, G., Diner, M., Gäbel G. (2015): Physiologie der Haussäugetiere. Enke Verlag, Stuttgart

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