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Pferdebremse erfolgreich bekämpfen

von
Susanne Krauzig
zuletzt aktualisiert 25.06.2024
Teaser Krankheiten
Foto © Trabland
Inhaltsverzeichnis

Ohne Pferdebremsen wäre der Ausritt ein Traum, doch die lästigen Stechinsekten vergällen dir die Lust am Sommer. Vor allem an Waldrändern und in der Nähe feuchter Wiesen kommen sie in Massen hervor. Sie stürzen sich auf den Hals und die Kruppe deines Pferdes und sind plötzlich überall. Dein Pferd wirft unruhig den Kopf und beginnt zu tänzeln und du selbst fuchtelst wild mit den Armen, um die Viecher abzuwehren. Zum Glück gibt es wirkungsvolle Mittel gegen Bremsen beim Pferd.

Welche 3 Arten von Bremsen gibt es?

Die Bremse ist ein Insekt aus der Unterordnung der Fliegen. Andere Bezeichnungen sind Viehfliege und Breme. Bremsen besitzen im Gegensatz zur Mücke einen breiten Körper. Von den rund 58 in Deutschland heimischen Arten treten drei besonders oft in Erscheinung: die Regenbremse, die Goldaugenbremse und die eigentliche Pferdebremse. Am häufigsten ist die graubraune, maximal zwölf Millimeter lange Regen- oder Gewitterbremse. Die bis zu 14 Millimeter große Goldaugenbremse besitzt grün schimmernde Facettenaugen und schwarz-weiß gemusterte Flügel.

Die Pferdebremse ist maximal 2,5 Zentimeter lang. Sie nähert sich mit einem lauten Surren. Bei vielen Pferden verursachen die dicken Brummer Panik. Allgemein sind Pferdebremsen zwar seltener als die anderen Arten, jedoch auffälliger und Furcht einflößender. Die eher plumpen Pferdebremsen lassen sich relativ leicht vertreiben. Oft genügt schon ein Muskelzucken oder ein leichter Gertenschlag. Der Pferdebremse ähnlich und eng mit ihr verwandt ist die Rinderbremse, die ebenfalls eine stattliche Größe erreicht und überwiegend Großvieh befällt.

Was zieht Bremsen an?

Bremsen sind Insekten, die ihren Wirt anhand der Optik, der Körperwärme und des Schweißgeruchs orten. Alles zusammen wirkt unwiderstehlich auf die Blutsauger. Vor allem große dunkle Pferde ziehen Pferdebremsen magisch an. Hat die Bremse die Wahl, dann entscheidet sie sich zumeist für das Pferd und lässt den Reiter in Ruhe. Dennoch wissen die meisten Menschen aus Erfahrung, dass ein Bremsen Stich wehtut. Ist der Mensch alleine, dann ist er das Objekt der Begierde.

Pferdebremsen mögen es feucht-warm. Regenbremsen treten oft in Scharen an Waldrändern, in Sumpfgebieten und Feuchtwiesen auf. Innerhalb von Wäldern sind sie eher selten. Dafür triffst du beim Ausreiten im lichten Wald häufig auf die Goldaugenbremse, die sich auch auf Weiden, in Mooren, in der Heide und in Wassernähe wohlfühlt. Die Pferdebremse liebt es ebenfalls schwül. Das liegt unter anderem daran, dass sich die Larven der Bremsen im feuchten Milieu in Bodennähe oder im Wasser entwickeln.

Wann stechen Bremsen?

Die Bremse ist ein Insekt, das Wärme und eine hohe Luftfeuchtigkeit bevorzugt. Bei schwülwarmem Gewitterwetter fühlt sie sich am wohlsten. Nach dem Regen stehen die Chancen gut, dass sich in der abgekühlten Luft weniger Pferdebremsen tummeln. Dennoch ist von April bis August und in seltenen Fällen auch länger immer wieder mit Bremsen-Attacken zu rechnen. Wenn im August die letzten Felder abgeerntet sind, ist zumeist die Bremsenzeit vorbei. Es gibt dann weniger und dem Anschein nach kleinere Exemplare.

Bremsen sind tagaktiv. Mit Einbruch der Dunkelheit lässt ihre Aktivität nach. Das ist der Unterschied zur Mücke. Doch wie bei den Mücken saugen auch bei den Bremsen nur die Weibchen Blut, um damit die in ihrem Körper heranwachsenden Eier mit Nährstoffen zu versorgen. Pferdebremsen sind Poolsauger, die mit ihren groben Mundwerkzeugen Wunden in die Haut reißen und sich anschließend von dem austretenden Blut ernähren. Ein Bremsen Stich tut weh und führt zu einer juckenden Quaddel.

 

Welche Krankheiten können Bremsen übertragen?

Bremsen spielen bei der mechanischen Übertragung von Krankheiten eine Rolle. Das heißt, dass sich die Krankheitserreger nicht im Insekt entwickeln, sondern sie haften an der Pferdebremse und kontaminieren so das Wirtstier. Das geschieht zum Beispiel von Pferd zu Pferd, wenn die Bremse ihre Blutmahlzeit unterbricht und auf einem anderen Tier fortsetzt. Pferdebremsen gehören unter anderem zu den Überträgern der Equinen infektiösen Anämie, der ansteckenden Blutarmut der Einhufer. In Deutschland ist das Virus zum Glück sehr selten.

Eine Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien weist zudem darauf hin, dass Bremsen bei der Entstehung eines Equinen Sarkoids, einem bei Pferden auftretendem Hauttumor, in vielen Fällen eine Rolle spielen. Dafür ursächlich ist das vom Rind stammende Bovine Papillomavirus. Einige Pferde sind dafür empfänglich. Gelegentlich transportieren Pferdebremsen außerdem Borrelien. Das sind Bakterien, die die Lyme-Borreliose auslösen, eine Krankheit, für die häufiger Zecken als Überträger fungieren. Da den Bremsen zahlreiche gefährliche Erreger anhaften können, treiben sie Epidemien weiter voran.

Was hilft am besten gegen Bremsen beim Pferd?

Obwohl die Bremse ein Insekt wie die Mücke ist, helfen die meisten handelsüblichen Abwehrsprays bei Pferdebremsen kaum. Während ätherische Öle für eine kurze Zeitspanne Kriebelmücken vergrämen können, bleiben Pferdebremsen davon meistens unbeeindruckt. Bremsen orientieren sich nicht nur am Schweißgeruch, sondern auch an optischen Reizen und Wärme. Diese lassen sich nicht mit Gerüchen übertünchen. Ebenso verfehlen Pferdedecken häufig ihren Zweck. Pferdebremsen sind mit ihren scharfen Mundwerkzeugen dazu in der Lage, durch dünne Textilien zu beißen. Fliegendecken aus Netzstoff sind ohnehin unwirksam.

Es gibt als Ausnahme einige effektive Abwehrsprays, die so abscheulich stinken, dass sowohl für Reiter als auch für Pferdebremsen eine Zumutung sind. Diese sogenannten „Vergrämungsmittel“ basieren unter anderem auf Petroleum, Kaliseife und Tieröl und hinterlassen oft hässliche braune Flecken auf dem Fell, die bei hellen Pferden besonders ins Auge fallen. Manche Pferdehalter machen mit Icaridin-Sprays gute Erfahrungen. Meist helfen diese Mittel jedoch nur kurzzeitig. Alles, was gut duftet, bringt zumeist nicht viel. Die Sprays sind außerdem teuer.

Warum eine Fliegendecke mit Zebramuster Pferdebremsen abwehrt

Sicherlich hast du schon Pferde mit Zebradecken auf der Weide gesehen. Das ist nicht nur eine modische Spielerei. Liegt eine Zebra Fliegendecke auf dem Pferd, halten die Streifen die Bremsen zumeist von einer Landung ab. Wissenschaftler meinen, dass die Streifenzeichnung das Zebra in der Steppe vor der Tsetsefliege schützt. Effektiv sind insbesondere dünne und scharf umrissene Streifen. Große dunkle und warme Flecken wirken auf Pferdebremsen attraktiv, wie Dr. Gábor Horváth von der Universität Budapest feststellte.

Die Streifen unterbrechen größere dunkle Flächen und machen das Pferd damit für Bremsen unattraktiv. Sie fliegen das Objekt ihrer Begierde zwar aus einer größeren Entfernung an, verzichten dann aber häufig auf eine Landung. Das hat vermutlich physikalische Gründe. Forscher der Universität Bristol fanden heraus, dass horizontal polarisiertes Licht Pferdebremsen anzieht. Schwarze Streifen reflektieren das Licht mit einem hohen Polarisationsgrad, während weiße Streifen das nicht tun. Außerdem wirken gleichmäßig nebeneinander platzierte feine Hantel- und Schachbrettmuster Bremsen-abwehrend.

Wie funktioniert eine Bremsenfalle?

Eine mechanische Bremsenfalle für Pferde verringert die Anzahl der Stechinsekten auf der Koppel und dem Paddock. Die Falle funktioniert Chemie-frei, indem sie die Blutsauger in einem Wasserbehälter fängt, der sich oben an der Spitze eines Schirms befindet. Du leerst den Behälter mit den toten Pferdebremsen alle paar Tage aus und füllst frisches Wasser nach. Die Fallen stehen allerdings in der Kritik, weil sie nicht nur Bremsen, sondern auch Florfliegen, Bienen und andere Insekten fangen und töten.

Als Lockmittel dient ein großer schwarzer Ball, der sich in der Sonne erwärmt und im Wind leicht bewegt. Die Pferdebremsen halten den Ball für einen Pferdepopo, setzen sich auf ihn, bemerken den Irrtum und fliegen nach oben weg. Ein Schirm verhindert, dass sie seitlich entkommen. Dabei gelangen sie in den Trichter mit Wasser und ertrinken. Übrigens kannst du auch eine Bremsenfalle selber bauen. Sieh dir die Fallen im Katalog an und lass dich inspirieren.

Meine Erfahrungen mit Pferdebremsen

Wie fast alle Reiter kenne auch ich die Bremsen leider nur allzu gut. Ich habe schon viel ausprobiert, von verschiedenen Sprays bis hin zur Bremsenfalle, bei der nach ein paar Jahren der Schirm riss. Zwar verfingen sich darin tatsächlich überwiegend Bremsen und nur sehr wenige andere Insekten, doch aus Artenschutzgründen sah ich von einer Neuanschaffung trotzdem ab. Das System funktionierte. Dennoch fanden noch ausreichend Bremsen den Weg zum Pferd. Eine einzige Bremsenfalle war wohl zu wenig.

Meine Pferde regelmäßig mit Zebrastreifen zu bemalen, ist mir zu aufwendig und eindecken möchte ich sie auch nicht. Die beste Methode, einen Bremsen Stich zu verhindern, ist, den Insekten aus dem Weg zu gehen. Deshalb wählen meine Pferde selbst, wann sie auf die Koppel und in den Unterstand gehen. Oft stehen sie im Sommer tagsüber drinnen und vergnügen sich nachts auf der Weide. Voraussetzung hierfür ist, dass sich das in deinem Stall umsetzen lässt. Ideal sind Unterstände mit Streifenvorhang.

FAZIT

Mit wohlriechendem Zedernöl ist es nicht getan. Um Bremsen zu bekämpfen, hilft nur eine clevere Strategie. Willst du deinem Tier auf der Koppel mehr Ruhe gönnen, dann wähle einen Stall mit überwiegend dunklen Pferden. Dein Pferd bleibt zwar von dem ein oder anderen Bremsen Stich trotzdem nicht verschont, doch dunkle Kruppen wirken auf die Blutsauger anziehender. Besitzt du selbst ein braunes oder schwarzes Pferd, dann ist eine Pferdedecke mit filigranen Zebrastreifen eine sinnvolle Investition.

Morgenstund hat Gold im Mund. Denk daran: Ein Pferdebremsen Stich tut weh. Reitern empfehle ich deshalb, so früh wie möglich zu satteln, am besten schon um fünf Uhr. Als ich früher mit meiner Skythia noch jeden Tag ausreiten war, stand ich sehr früh auf, um den Ausflug ungestört zu genießen. Im Hochsommer war es manchmal schon um sieben Uhr vorbei mit der Idylle und es kamen die ersten Brummer. Auch bei stärkerem Regen zu reiten, macht oft Sinn.

 

 

Quellenangaben

https://de.wikipedia.org/wiki/Pferdebremse

https://www.gesundheitsamt-bw.de/fileadmin/LGA/_DocumentLibraries/SiteCollectionDocuments/01_Themen/Laestlinge/Bremsen_Information.pdf

https://www.insects.ch/kategorie/zweiflugler-diptera/tabanidae-bremsen

https://www.umweltbundesamt.de/bremsen#lebensraum-vorkommen

https://royalsocietypublishing.org/doi/10.1098/rsos.191119

https://www.deutschlands-natur.de/tierarten/fliegen/chrysops-relictus/

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC10142728/

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7219777/

https://journals.biologists.com/jeb/article/226/4/jeb244778/287050/Why-don-t-horseflies-land-on-zebras

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